LOGO

www.storiatheurgica.net
 
BANNER
The Hippie trail


Deutsch     English                                       Contact
 
7. Nepal
Einleitung

- _1. Die Flucht
- _2. Tor zu Asien
- _3. Persien
- _4. Afghanistan
- _5. Pakistan
- _6. Indien
- _7. Nepal
Pokhara - Kathmandu

 
Kathmandu - in Arbeit


Was für eine entspannte und konfortable Reise nach all den lokalen Bussen mit ihren kaputten Sitzen und Fenstern. Die Strasse führte überwiegend entlang des Trisuli-Flusses. Auf halber Wegstrecke blickte ich links und rechts in unendliche Schluchten. Hier vereinigt sich der Trisuli mit Kali Gandaki, der in Mustang entspringt. Ein atemberaubender Moment den ich als Gruß aus Tibet empfand. Nicht zum ersten Mal begleitete mich dabei "Do what you like" von Blind Faith!
"Do right use your head,
Everybody must be fed,
Get together break your bread,
Yes together that's what i said,
Don't fight use your head,
Open your eyes,
Realize you're not dead,
Take a look at an open book,
Do what you like, that's what I said."
Das passte ja, wenn Da am Ende nicht Ginger Baker's Geständnis gewesen wäre!
"Deep Flash...run away...ding dong ...ding dong...very long".
Ein gelungenes Meisterwerk eines Junkies.

Existenzangst begeleitete mich und ich wusste das Kathmandu ein Paradies für Süchtige geworden war. Aber ich war mir auch sicher, dass ich aufgefangen würde. Ich war Teil einer Geschichte und mit Verstand und der Hilfe von Gleichgesinnten würde ich erfolgreich sein.

Im Gegensatz zu den lokalen Bussen fuhr der Schweizer Bus direkt zum Durbar Sqare von Kathmandu mit der berühmten Freak Street. Mit den vielen bunten Läden und Restaurants erinnerte es mich an die Chicken Street von Kabul. Man konnte zwischen einheimischer, tibetischer, indischer und sogar italienischer Kost wählen.
 

 

Freak-Street

Ich quartierte mich in der 'Oriental Lodge' ein und ging dann ins gegenüberliegende 'Hungry Eye'. Die hatten ein Sammelsurium von Gerichten auf ihrer Speisekarte um jedem Westler gerecht zu werden. Bei Kartoffelpürree mit Käse und Erdnussbutter-Bananen-Sandwich entdeckte ich einige Gesichter die mir bekannt vorkamen. Kathmandu war einer dieser Orte, die man gesehen haben muß und deshalb kreuzten sich hier wieder die Wege vieler Morgenlandfahrer. So hielt sich auch meine Überraschung in Grenzen als Ian durch die Türe schritt. Wir hatten in Goa sehr schöne Momente miteinander geteilt und er setzte sich mit einer sehr hübschen Schweizerin an meinen Tisch. Sie kamen gerade aus dem 30km entfernten Dhulikhel und waren auf dem Weg nach Bangkok. Ich wusste, dass er die Mittel dafür garnicht haben konnte und längst nach Jamaika zurückgekehrt sein sollte. Es stellte sich dann heraus, dass seine Freundin die weitere Reise finanzieren wird. Was für ein Glückspilz! Ich freute mich mit ihm und wir tauschten Erfahrungen aus. Bei der Abschiedsumarmung steckte er mir einen 10 Dollarschein in meine Westentasche.
"Für die vielen Chillums mit Deinem Manikaran. Es war mir eine Ehre! Und Danke für Deine apple-pastry! Von denen wird man noch in vielen Jahren reden."
Das war wohltuender Balsam für meine Seele!

Entspannt und befreit von meinen Selbstzweifeln erkundete ich diesen Schmelztiegel von hinduistischer und buddhistischer Kultur.

Zwischen Kitsch und Kuriositäten, die auf dem Durbar Square verkauft wurden, entdeckte ich auch Amulette mit Tigerzähnen. Unkundige Touristen werden am Zoll damit einigen Ärger gehabt haben. Die schönen und seltenen Geschöpfe standen auch damals schon unter Artenschutz. Bis heute werden Salben und Pulver aus Tigerkörperteilen hergestellt. Von den Schnurrbarthaaren bis zum Blut und den Zähnen. Die Zähne sollen vor dem bösen Blick schützen und pulverisiert werden sie als Potenzmittel gehandelt.

Ich durchsteifte die nähere Umgebung um den zentralen Platz von Kathmandu. Mit seinem alten Königspalast, dem Goldenen Tempel und dem angrenzenden Bazaar. Einige Läden hatten sich auf das maschinelle Sticken von Kleidungsstücken aller Art spezialisiert. Man konnte vorgegebene Motive wählen oder auch Eigene in Auftrag geben. Ich kaufte mir eine weisse Baumwollweste und liess den Rücken mit einem Drachen besticken.
  Peter Engelhardt

 

Alter Königspalast
Fotos von Peter Engelhardt
 

 

Goldener Tempel

  Travelling didjeridoo

 

Goldener Tempel II

 

 

Goldener Tempel III
Fotos von Ruff Libner (Trav. Didge.)

Zurück in der Freak-Street lauschte ich den Berichten über Kathmandu aus früheren Jahren. Damals gab es noch das legendäre Eden-Hashish-Centre und andere offizielle Verkaufplätze. Auf der Speisekarte gab es etliche Gerichte mit Charas. Im Kartoffelpüree oder im Tee. Auf Druck der USA wurde die Droge Ende 1973 verboten und über Nacht wurden die Läden und Raucher-Cafes geschlossen. Polizei durchsuchte die Straßen nach Freaks mit ungültigen Visa und sehr viele Leute wurden mit Lastwagen zur indischen Grenze deportiert. König Birendra soll von Nixon als Gegenleistung für das Kriminalisieren von Drogen sehr viel Geld erhalten haben. Mittlerweilen - 3 1/2 Jahre später - hatte sich die Situation entspannt und es gab wieder einige 'inoffizielle' Läden und Plätze wie das 'Snow Man', wo man bei Milchshakes die kreisenden Chillums ungestört geniessen konnte. Auf unsere Devisen wollte man doch nicht verzichten, für Pauschal-Touristen war Nepal noch ein Geheim-Tipp und die Bergsteiger hatten sowieso nicht so hohe Ansprüche.
 

 

Eden-Hashish-Centre
Foto von RogerMcLassus

Hier traf ich einen der Babas aus Manikaran wieder. Sichtlich genoss er die Aufmerksamkeit und die Einladungen von allen Seiten. Er erkannte mich und lud mich zum Erstauen der anderen Gäste zum Chillum ein.
"Kein 'Manikaran' aber 'Mustang'!"
Wir lächelten uns an und schwelgten in Errinerungen. An die Sweets aus Kullu und an den Baba in seinem Holzverschlag. Charas aus Mustang! Das war wirkliche eine Ehre! Der wurde in Kathmandu genau so geschätzt wie mein Manikan in Goa. In kleinem Kreis genossen wir dieses Chillum und Lucy aus New York war einer der Glücklichen. Wir freundeten uns an, aber leider waren das auch ihre letzten Stunden in Nepal. Nach einer berauschenden Nacht zeigte sie mir ihre Lieblingsplätze in Patan.
 

 

Durbar Square von Patan

 

 

Vögel über Patan

 

 

Glocke in Patan
Fotos von Peter Engelhardt

 

 

Wächter-Elefanten

 

 

Schnitzerein

 

 

Schnitzereien II

Mittags begleitete ich sie zum Busbahnhof. Sie hatte eine lange Reise vor sich. Über Bhairawa nach Indien und dann überland bis Luxemburg, um dort ihren Flieger zurück nach Hause zu nehmen.
„Oh Chris, wir hätten uns früher treffen sollen. Vielleicht kreuzen sich unsere Wege ja noch mal.“

Zum meinem Lieblingspatz wurde Shayambhunath. Am Fuße des Hügels befindet sich eine Steinplatte mit den Fußabdrücken Buddhas und durch das Eingangstor führt eine Treppe mit 365 Stufen zum Stupa. Einer Legende nach war einst das ganze Tal ein großer See mit einer schönen Lotosblüte auf dessen Oberfläche. Der See wurde dann in einen Hügel verwandelt, und die Lotosblume wurde zum Stupa. Er spiegelt die Weltachse wieder, die Erde und Himmel verbindet. Der buddhistische Stupa wird von zwei hinduistischen Stupas flankiert und ist exemplarisch für eine einzigartige Synthese von Buddhismus und Hinduismus.
 

 

Eingangstor

Die vielen Stufen symbolisieren den beschwerlichen Weg ins Nirvana. Entlang der Treppe meisselten fleissige Steinmetze 'Om mani padme hum' in Kieselsteine ein. Ich erwarb einen Stein unf fügte ihn den unzähligen Anderen hinzu, die den Hügel schmückten.
 

 

365 Stufen

Endlich oben angekommen wurde ich von einer Horde agressiver Affen empfangen. Einer thronte auf einem Dorje (hindi) oder Vajra (tibetisch) - einem Donnerkeil oder Diamantzepter. Sie galten als Wächter und genossen alle Freiheiten; deshalb wurde Shayambhu auch 'Affen-Tempel' genannt. In einem Chai-Shop genoss ich diese grandiose Aussicht und wurde promt meines Kekses beraubt. Den neu bestellten aß ich direkt und liess ihn nicht auf dem Teller liegen. Wobei das kein wirklicher Schutz war, denn sie stahlen einem auch aus den Händen und sogar aus der Hosentasche begehrte Köstlichkeiten. Die Augen Buddhas überblicken von hier aus in 4 Himmelrichtungen das gesamte Kathmandu-Tal. Zum Abschluss umrundete ich den Stupa und drehte an den grossen Gebetsmühlen mit den unzähligen 'Juwelen-Lotos'-Mantras - wie am besten 'Om mani padme hum' übersetzt.
 

 

Vajra

Auf meinem Rückweg zum Hotel bot mir einer kleiner Junge einen Mani-Stein an. "Woher hast Du den"? fragte ich ihn und war von seinem Weglaufen nicht sonderlich überrascht. Buddhist dürfte er nicht gewesen sein, denn sonst hätte er keine Opfergabe gestohlen. Sehen wir das mal als eine Jugendsünde an. Ich war ja auch nicht unbelastet. Mittlerweilen war es dunkel und die allsehenden Augen erstrahlten am Nachthimmel.
 

 

Swayambhu bei Nacht
Fotos von Ruff Libner (trav.didge.)

Während wir bei 'Slave Driver' und 'Kinky Raggae' von Bob Marley unsere Körper bewegten wurde die Idylle im 'Snow Man' von heruntergekommenden Junkies getrübt. Tote Augen anstelle von Strahlenden - und es gingen Warnungen durch den Raum. Warnungen vor Diebstählen und anderen Betrugsversuchen. Ich kannte das ja aus meiner eigenen Vergangenheit und wusste was man nicht alles für den nächsten Schuss tut. Im Nachhinein bereue ich nicht meine Erfahrung als Junkie, aber die dadurch begangenen Missetaten. Wenn man die Hölle erlebt hat weiss man den Himmel umsomehr zu schätzen.

Ich erinnerte mich an den Tipp von Ian und fuhr ein paar Tage später nach Dhulikhel. Es war ein wundervoller einstündiger Aufstieg von der Busstaion bis zur Lodge die mir Ian empfohlen hatte. Sie war günstig und nicht sehr frequentiert. Auf einem Hügel gelegen war es das einzige Gebäude mit einem grandiosen Panorama von 20 schneebedeckten Himalaya-Gipfeln. Wenn Nebel den unteren Teil des Gebirges umfasste, schienen sie in der Luft zu schweben. Einer der Wenigen, die sich hierhin zurückgezogen hatten, war ein Holländer ohne gültiges Visa. Er konnte seine Rechnung nicht mehr bezahlen und half beim Aufbau der Lodge. Oft stieg ich frühmorgens auf das Dach und ergötzte mich an diesem Schauspiel der Natur. Langsam erstrahlten die Göttersitze und kündigten die 'wiederauferstehende’ Sonne an. Endlich tauchte sie auf und vertrieb die kalte Nacht. Nach einem dieser beglückenden Momente startete ich den neuen Tag mit einem zweistündigen Fussmarsch nach Namo Buddha.

Der Ort zählt neben Lumbini, Swayambhu und Bodnath zu den heiligsten buddhistischen Pilgerorten im Lande. Der historische Buddha soll hier seinen Körper einer verhungernden Tigerin geopfert haben, damit sie ihren Nachwuchs füttern konnte. Der Legende nach befinden sich einige Haare und Knochen Buddhas in der Stupa, die den Namen "Namo Buddha" trägt. Hier entstand gerade ein Kloster mit Klausur-Zentrum. Einige Stunden schaute ich dem emsigen Treiben der Mönche und Handwerker zu, die mit viel Hingabe und Improvistaionsgeschick an diesem neuen Refugium arbeiteten. Es war ihr Tribut an das Mitgefühl Buddhas und an diesen bemerkenswerten Ort.

Spätnachmittags machte ich mich auf dem Rückweg, „Hoffentlich schaffe ich es noch vor Sonnenuntergang“ dachte ich als ein LKW, vollbeladen mit Gütern und Menschen, auftauchte. Es ging jetzt etwas schneller, aber auch unbequemer voran. Bei jedem Schlagloch sprang ich in die Höhe und musste mich bei meinen Nachbarn festhalten. Erlöst von dieser Tortur wurde ich Zeuge von einem Streit zwischen dem Holländer und den Inhabern der Lodge. Sie forderten die ausstehende Miete ein, obwohl er so viel für sie getan hatte. Das war ungerecht! Ich empfand sehr viel Mitgefühl, aber musste mich jetzt um meine eigene Sache kümmern. Mein Visa lief aus und meine Geschichte sollte nicht in so einer Sackgasse enden.

Nachdem ich die Aufenthalts-Genehmigung um einen Monat verlängert hatte ging es zur Post, um meiner Mutter einen Brief zu schreiben. Als Absender gab ich ‚Posta Restante’ an, wie alle Anderen, denen ich hier begegnete. Mit glücklichen oder enttäuschten Gesichtern kamen sie von den Postfächern zurück, die zwar alphabetisch angeordnet waren, bei denen sich aber auch jeder bedienen konnte.

Meine Mutter hatte mich so oft aufgefangen und ich war mir sicher, dass sie mir helfen würde. Sie hatte immer zu mir, dem schwarzen Schaf der Familie, gehalten. Nach abgebrochenen Lehren und Studium. Während meiner Junkie-Zeit und in der Psychiatrie. Ich schilderte ihr meine Situation und bat sie um eine Überweisung von 200 DM auf die Nepal Rastra Bank. Zwei Wochen später fand ich im Postfach ihre Antwort. Sie hatte das Geld über die Sparkasse der Stadt Köln nach Nepal überwiesen. Täglich ging ich zur Bank und kam enttäuscht zurück und diese Erfahrung teilte ich mit vielen Anderen.

Eine Woche bevor mein Visa auslief begegnete ich Hans-Georg Behr, einem bekannten Östereichischen Schriftsteller und Journalisten, der sich hier niedergelassen hatte um Landwirtschaft zu betreiben. Er lud mich in sein Haus ein, dass er sich mit seinem Freund Eckhard und einem hübschen nepalesischen Knaben teilte. Stolz zeigte er mir sein "Haschisch-Kochbuch", "Nepal - Geschenk der Götter" und sein "Söhne der Wüste - Kalifen, Händler und Gelehrte". Enttäuscht über Betrügereien und Missgunst baute er gerade seine Zelte ab und vermachte seine umfangreiche Bibliotek dem Goethe-Institut weil er nicht mehr das Geld für den Rücktransport hatte. Trotz dieser Geldnot wollte er seiner vornehmen und anspruchsvollen Mutter eine Hundekette aus Silber mitbringen und ich begleitete Ihn zu einem Silberschmied. Ich erinnere mich nicht mehr an den Preis, aber wahrscheinlich hatte er zuviel bezahlt. Kein Wunder, denn nicht nur ich, sondern auch die Nepalesen wunderten sich über diesen ausgefallenen Auftrag. Danach gingen wir zum Eden-Hotel und er stellte mich dem Inhaber vor. Es war Didi Sharma, der mit dem erwirtschaften Geld seines Eden-Hashish-Center das Hotel aufgebaut hatte.
 

 

Karte von Kathmandu

Es lag ca. 100 Meter vom alten Center entfernt am Ende der Freak Street und sein Büro war dekoriert mit Kalendern und Postern aus dieser legendären Zeit.
 

 

Poster vom Eden-Hashish-Centre

Er suchte einen Vegetarischen Koch aus dem Westen, um seine Klientel mit einem Mix aus westlicher und östlicher Küche zu verwöhnen. Ich bekam den Job und ein Zimmer im noch nicht eröffneten Hotel. Eine letzte Nacht übernachtete ich bei Hans-Georg und er erzählte von seinen Abenteuern mit Didi. Mein neuer Arbeitgeber war etwas enttäuscht, dass er diesmal ohne Ware zurückfliegen würde. Ekkhard besass keine gültige Aufenthaltsgenehmigung und musste deshalb ohne Exit-Visa über Bhairawa ‚schwarz’ die Indische Grenze passieren. Wahrscheinlich hat er dann in Delhi seinen Pass als gestohlen gemeldet.

Dankbar verabschiedete ich mich von meinem Retter; durch ihn wurde mir die erhoffte neue Perspektive geboten. Als langjähriger Vegetarier und Makrobiot nahm ich diese Herrausforderung gerne an. Die Gästeräume waren fast fertig und meine Aufgabe war es, die Küche zu planen und einzurichten; mit Handwerkern, die kein oder nur ein paar Worte englisch verstanden. Nach meinen Anweisungen fertigten die Schreiner Tische und Regale und die Elektriker installierten Steckdosen. Am Anfang gestaltete sich die Verständung etwas schwierig. Aber mit viel Gestik, der Hilfe von Händen und Füssen, verstanden wir uns am Ende prächtig.

Das Hotel war damals einer der höchsten Gebäude Kathmandus und über der Küche war das offene Dach-Restaurant. Während ich auf einem der schönsten Arbeitsplätze der Stadt diesen grandiosen Überblick genoss, wurde ich mit French toast von der Familie bedient.
 

 

Sicht über Kathmandu
Foto von Peter Engelhardt

Ausser seinen Angehörigen lebten hier noch sein Sekretär und sein Manager. Beide kamen aus Indien, und zu meiner Enttäuschung logierte uns Didi in einem angemietenten Zimmer zusammen ein. Mit dem attraktiven Sekretär, der von zahlreichen Verehrerinnen mit Telefonaten bestürmt wurde, verstand ich mich überhaupt nicht. Er bekam deshalb auch etliche Male Probleme mit unserem Chef. Durch die Anrufe war oft die einzige Leitung belegt. Bei dem Manager war das schon anders. Nach und nach schilderte er mir intime Einzelheiten über Didi. Ein Jahr zuvor wurde er aufgrund einer Aussage von einem Deutschen, der mit 5 Kilo am Flughafen geschnappt wurde, verhaftet. Mit viel Schmiergeld konnte er sich damals freikaufen. Danach verlief auch der Ausbau etwas schleppend. Kurz vor meinem Arbeitsbeginn hatte er Jonathan Benyon aus England und seinem Deutschen Freund Hans, ein Ex-Koch der deutschen Marine, das Hotel mit Restaurant zur Mietung angeboten. Beide betrieben Buslinien auf dem Hippie trail. Von Amsterdam oder London bis Indien oder Nepal. Eine Konkurrenz zum viel zitierten ‚Magic Bus’. Jonathan’s ‚Silver Express’ war mir noch gut aus Goa in Erinnerung. Er parkte seinen Mercedes-Bus auf dem Hügel von Vagator. Didi bestand darauf, dass alles was es brauchte ein Topf mit lecker riechendem Inhalt sei, dessen köstlicher Duft würde die Gäste von selber anlocken und der Rest würde einfach sein. Aber sie lehnten dankend ab. Das Risiko war ihnen doch zu gross. Erst Recht, nachdem sie die geheimen Räume im Keller gesehen hatten, die vollgestopft mit Haschisch waren. .

Mein Monatslohn betrug 600 Rupees. Das war nicht viel und entsprach dem Gehalt der Handwerker. Aber für meinen monatlichen Visa-Stempel musste Didi den zuständigen Beamten mit 500 Rupees bestechen. So kostete ich ihm genau so viel wie der Manager oder der Sekretär. Ich hatte freie Kost und Logie und wurde auch mit Charas versorgt. Damit liess es sich hier ganz gut leben und so konnte ich mir bei meinen allabendlichen Ausflügen Röstis im ‚Swiss Restaurant’, Banana Fritter im ‚Hungry Eye’ oder ein Milkshake im ‚Snow Man’ leisten.

Die Arbeiten verliefen mit asiatischer Gelassenheit. Der Maler bestrich die Wände und bemalte Holzmasken. Die Dämonenschrecke wurden am Geländer des Restautants aufgehangen um böse Geister fernzuhalten. Er hatte vorher im ‚Soaltee Oberoi' gearbeitet, dem besten Hotel der Stadt, und hatte den grossen Traum dort einmal zu übernachten. Der Schreiner verkleidetete die Tische mit Metallblech und der Elektriker bemühte sich um die Steckdosen. Besonders gefordert wurde er bei der Technik für den Aufzug. Wahrscheinlich einem der Ersten der Stadt. Ein Helfer, von der Familie aufgenommener Waise, stand während der Arbeit auf einem schmalen Holzbrett über dem Aufzugsschacht. Dabei wurde mir schon etwas mulmig. Erst recht nachdem man mir erzählte, dass einige Monate vorher während der Arbeiten an der Aussenfassade ein Arbeiter abgestürzt war.

Didi kümmerte sich mehr um seine Geschäfte als um die Fertigstellung des Hotels. Fast täglich kamen Tibeter mit ihren Teppichen vorbei und sein Shop hatte wahrscheinlich mittlerweilen das grösste Sortiment dieser Kostbarkeiten auf Lager. Aber sein Hauptinteresse war nach wie vor seinen Stoff zu verkaufen. Er tauchte die Teppiche in Haschisch-Öl und formte Holzdruckstöcke und andere Kunstwerke aus dieser in aller Welt begehrten Droge. Noch stand er unter dem Schutz des Königs. Eines Tages offenbarte er mir in seinem Privatzimmer die Geheimnisse seines Altars. Darüber throhnte natürlich die Schutzgottheit der Kaufleute, eine Statue von dem Elefantengott Ganesh. Seine Anwesenheit versprach gute Geschäfte und Reichtum. Darunter versteckt waren Europäische Pornos und Schottischer Whisky. Natürlich fehlten auch die Rauchwaren nicht. Während wir den teuren Whisky tranken und sein Charas rauchten erzählte er mir von dem bevorstehenden Restaurant-Test mit dem Tourist-Minister. Jetzt wurde es ernst. Für mich und für ihn!

Einmal wöchentlich ging ich zur Nepal Rashtra Bank und bekam immer wieder mit einem lächelden Gesicht die gleiche Auskunft: „Entschuldigung, ihr Geld ist noch nicht eingetroffen.“

XXX

 

 

Trommelnder Dämonenschreck
Von Peter Engelhardt & Chris De Bié


XXX



weiter
 

 
oben / top
© by Chris De Bié admin: 01.08.2010